Galoppierender Nadelwahnsinn mit erhitzter Ironie und einem Fünkchen Sarkasmus

Donnerstag, 18. April 2013

Jim Knopf und ein spezieller Kristall der Ewigkeit

Jim Knopf ist eins meiner neusten Randzeitenkinder.
Ihn betreue ich nur ein paar Mal in der Woche für wenige Stunden und ich befinde mich bei im noch in der Einschleimphase. Der Gatte nennt es Säuseln.
Diese Phase ist nötig, damit das Kind merkt, dass ich nett bin.
Erst wenn er das weiß, kann ich erzieherisch tätig werden.
Das Säuseln macht, dass er auch nach 5 Tagen Tagesmutterpause und einem 8 StundenTag im Kindergarten noch Lust hat, mit mir mitzukommen.
Eigentlich wäre ihm dann nämlich eher nach Mama. Manchmal zumindest.
Also, bin ich noch eine Spur netter, als ich sowieso schon bin.
In dieser Anfangsphase, wenn ein Kind noch neu ist in der Herde muss sich vieles erst finden.
Manche Kinder sind sofort drin, finden alles prima und gehen hier im Haus ihrer Wege. Spielen mit meiner eigenen Brut, trauen sich nach Getränk oder Snack zu fragen, gehen aufs Klo oder melden eine volle Windel. Sowas eben.
Manche brauchen mehr Zeit. Das ist auch total ok. Ich brauche diese Zeit nämlich auch. Erstmal die Lage peilen, beschnuppern, testen. Das dauert manchmal einige Wochen, manchmal geht es schneller.

Jim Knopf zum Beispiel ist noch ziemlich jung, sehr aufgeweckt, kann schon sehr gut reden, meldet seine Bedürfnisse an und ist ganz zufrieden hier. (Vor allem seitdem John Boy, unser Erstgeborener seine alte Autokiste rausgerückt hat und Jim Bob, der Zweitgeborene mit Gummidinos um die Ecke kam).
Jim Knopf mag sich aber beispielsweise von mir noch nicht so gerne die Windel wechseln lassen, das ist ihm wohl noch zu intim. Meist ist er eh nur knapp 2 Stunden hier und es kommt nur selten vor, dass er in dieser Zeit in die Hose donnert. Also, kann ich ihm diese Grenze gerne noch lassen.
Körperkontakt ist eh ein wichtiges Thema für die Kinder und mich. Manche mögen auf den Schoß, manche nicht, manche lassen sich beim Aussteigen aus dem Auto die helfende Hand reichen, andere noch nicht. Manche umarmen mich, andere winken lieber aus der Ferne. Manche kommen zum trösten auf den Arm, andere machen das lieber mit sich selbst aus, und dann ist auch noch jede Facette dazwischen möglich.

Jim Knopf war bis zu dieser Kristall der Ewigkeit Begegnung eher der distanzierte Typ, saß grade mampfend am Tisch, erzählte mir in vielen Worten von seinen Abenteuern im Kindergarten und war überhaupt guter Stimmung.
Dann wollte er mit der Jüngsten in ihrem Zimmer spielen. Sie lief schonmal voraus, er kletterte vom Stuhl, nahm Anlauf Richtung Treppe und knallte volle Kanne gegen die schwere Windfangtür aus Glas. Boing!
Mann, das hat gescheppert. Ich glaube jeder Bewohner hier im Haus ist schonmal vor diese dumme Tür gerannt. Das arme Knöpfchen! Er heulte glücklicherweise sofort lautstark los, hielt sich den Kopf und brüllte vor Wut und Schmerz und Unglaube.
Und ich war sauer auf mich selbst, weil ich genau an diesem Tag die blöde Tür geputzt hatte, und somit keine verräterischen Fingertapsen ihre Anwesenheit bezeugten.

Das war der Tag, an dem Jim Knopf beschlossen hat, dass mein Schoß wohl doch ganz annehmbar ist, wenn man sich trösten lassen muss.
Die Tochter reichte gleich routiniert einen nassen Lappen und Taschentücher und unter den Mitleidsbekundungen der ganzen Familie ging es dem Knaben dann auch bald wieder gut.
Und zur Strafe für die dumme Tür wurde sie verkleidet:



Ich habe meine Post it Zettel geopfert und die Kinder durften nach Herzenlust die Tür bekleben. Die übersieht jetzt keiner mehr.
Demnächst werden wir wohl doch mal wieder Handabdrücke darauf machen müssen, die sind auch ein bisschen hübscher, als die Zettel- ;o)

Kommentare:

Tati hat gesagt…

Mir gefällt die Post-It Variante =o)

MAIALI hat gesagt…

oooh.....yööööh....
aber herzallerliebst geschrieben :o)))

Zählerchen