Galoppierender Nadelwahnsinn mit erhitzter Ironie und einem Fünkchen Sarkasmus

Dienstag, 18. Juni 2013

Schubladen

So, jetzt ist es passiert!
In einer Welt voller Kevinismus und Chantalismus und so weiter habe ich ja genug Gelegenheit meine Vorurteile zu pflegen.
Inzwischen gehört es  fast zum guten Ton Kinder oder eigentlich ja eher deren Eltern, aufgrund des Vornamens in passende Laden zu stecken und diese für immer zu schließen.
Ich gebe zu, manchmal stimmt die blondierte, pinkgelackte Optik der Mutter durchaus mit dem Vornamen des Kindes überein. Ihr wisst schon Schakkeline und Dchironimo usw.
Meine im Moment ausgeführte Tätigkeit als, neudeutsch, Tagespflegeperson aka Tagesmutter oder, wie eine Mutter immer sagt, Doogesmuddi (mit weichen Ds), führt dazu, dass ich Kinder mit verschiedenen Vornamen betreue, die ich selbst den Kindern ja nicht gegeben habe (und in manchem Fall auch niemals gegeben hätte).

Bisher hatte ich da echt Glück, es gab keinen einzigen Schubladennamen, einer ist etwas grenzwertig, aber so ein richtiger Dscheremipazzkall war da noch nicht dabei.
Jetzt hat es mich allerdings voll erwischt!
Das "Problem" ist allerdings, dass dieser "Eckenname" so überhaupt gar nicht zu dem Kindlein passt!
Was mach ich denn jetzt?

Oft muss ich in letzter Zeit an meine gute, alte Freundin  von aufdemDorf denken, die dereinst von einem Kevin erzählte, einer der ersten Generation, der noch wegen dem Costner-Kevin oder dem Kevin-allein-zu-Haus, so hieß, ein gar intelligenter, junger Mann, der einen Raum betrat und sagte: "Hallo, ich heisse zwar Kevin, ich bin aber keiner!"
WAS FÜR EIN SCHICKSAL!

Also mein kleines Schubladennamenkind, ich werde es fortan hier Karl-Theodor nennen, passt in gar keine Schublade! Er heisst Dastin-Wayne (natürlich nicht, nur wegen des Beispiels), benimmt sich aber eben wie ein Vorurteils-Karl-Theodor das machen würde, von mir aus auch ein Maximilian-Alexander.
Er ist gut erzogen, kann gesittet essen, spielt gewaltfrei, mag Gemüse und hat noch nichts kaputt gemacht!
Was mach ich denn jetzt?
Meine ganzen, schönen, liebevoll gepflegten Vorurteile kann ich ja jetzt wohl auf den Kompost schmeissen, oder wie?
Und was mache ich denn nur in der Öffentlichkeit?
Ich kann ihn ja nicht bei seinem richtigen Namen rufen!
Am Ende denken die Leute noch das wär mein Sohn und stecken mich in eine Schublade!
Soll ich "Süßer" oder "Schätzchen" rufen?
"Kleiner" oder "Tagespflegekind, komma zu NichtdieMama"?
Haaach, ich weiß nicht!

Mann, wenn ich gewusst hätte, dass der Job so schwer sein kann, hätte ich was Anständiges gelernt!



P.S.
Wie leider oft an dieser oder ähnlicher Stelle nötig:
Der Text da oben kann Spuren von Ironie enthalten und ihr wisst ja, Ironie setzt Intelligenz beim Empfänger voraus....
*fieskicher*






Kommentare:

Nici hat gesagt…

Köstlich! Ich lese so gerne deine netten kleinen Zeilen.
Entspricht genau meinem Geschmack und der richtigen Prise Ironie.
Wenn bei mir schon nichts Spannendes passiert, kann ich wenigstens was Amüsantes bei dir lesen! Toll!

LG Nici

MAIALI hat gesagt…

hihi...
ich habe noch was im angebot:
Archilles (yes, gibts in der kita meiner tochter)...

Zählerchen