Galoppierender Nadelwahnsinn mit erhitzter Ironie und einem Fünkchen Sarkasmus

Montag, 12. August 2013

Mit dem Wohnmobil nach Schweden {2} oder Leben wie ein Sim

Von der Zivilisation verwöhnt, kann es mitunter schonmal passieren, dass man die eine oder andere Annehmlichkeit des Alltags als allzu selbstverständlich nimmt und gar nicht mehr wirklich zu schätzen weiß.
Strom aus der Steckdose beispielsweise oder fließendes, sauberes Wasser in ausreichender Menge, möglichst aus einem Wasserhahn.

Stimme aus dem off:
(Ich schreibe das hier natürlich in dem Wissen, dass es weltweit mehr Menschen ohne Stromanschluss gibt, als mit und auch mit dem Wissen der Trinkwasserknappheit auf dem Erdball. Das soll hier unpolitisch und augenzinkernd beschrieben werden, wie Ballungsgebietverseuchte verwöhnte, Touristeneuropäer sich im Wald zurecht finden, okay?!)

Nun, der Wohnmobilurlauber verfügt rudimentär über all diese Dinge.
Der Strom aus der Steckdose fließt allerdings nur, wenn man parkend außen am Mobil eine stromführendes Kabel anschließt und das Frischwasser aus dem Hahn ist meistens nicht ausreichend. Zumindest für uns über mehrere Tage.
Wir können also mit unseren momentanen Besetzung nicht 4 bis 11 Tage im tiefen Wald verschwinden ohne einen externen Wasseranschluss mit Trinkwasser, eine Toilette in die wir unsere Kassette entleeren können oder auch einen lebensmittelführenden Kollonialwarenladen (Harhar) zu finden.

"Wie? Gibt's in Schweden keine Campingplätze? Ham die da nur Wald odda was?"

Tja, das sind berechtigte Fragen. Es ist so:
In Schweden gibt es das Jedermannsrecht. Das heißt man darf an jeder geeigneten Stelle mit dem Mobil parken und auch übernachten, wenn man niemanden stört, nichts kaputt macht, seinen Müll wieder mitnimmt usw. Man darf sogar Feuer machen oder Grillen, wenn man den Wald nicht in Brand steckt.

Das ist für den Sparfuchs in uns sehr reizvoll, denn so eine Übernachtung kostet....nix!
Nagut, vielleicht ein bisschen Überwindung, denn irgendwo im tiefen Forst zu parken ohne irgendwas drumrum, auf irgendeiner Schotterstrasse war jetzt nicht so mein Jungmädchentraum. Aber es hat auch irgendwie was.
Außerdem ist ja auch immer der Hund dabei und die ist groß und schwarz und kann prima knurren und bellen.
Manchmal sogar, wenn sie soll.

Also zurück zur Thematik.
Der Strom ist kein Problem, die externe Autobatterie für den Innenbereich ist stark genug um mal ein paar Stunden die Lampen im Innenraum brennen zu lassen, Kühlschrank und evtl. die Heizung laufen eh mit Gas.
Strom wird nur dann ein Problem, wenn die Ladekabel für die Mitnehmtelefone oder auch die Mitnehmspielekonsolen nicht über einen 12V-Anschluss verfügen. Wir sind da aber gut versorgt. (Bin ja nicht bescheuert und ich halte so einen Gameboy und dergleichen auch nicht für Teufelszeug. Manchmal können sie sogar ein Segen sein. (z.B. um 2 kleine Jungs eine Weile zu beschäftigen, wenn man die holde Gattin mit Nierenkoliken irgendwie aus der Bretagne bringen muss....vor ein paar Jahren so gewesen....nicht gerne dran denke....))

So, da wäre dann noch das Frischwasser. Das benutzen wir zum Kochen, Spülen, Hände waschen, Zähne putzen und für die Klospülung. Manchmal auch für die Katzenwäsche, wenn wir länger keinen See gefunden haben, höhö.
Der 100Liter Tank ist da relativ schnell erschöpft, wenn 6 Personen und ein Hund Wasser benötigen.

Und als letztes: das Klo.
Ok, Klartext, es reicht 1,5 Tage. Das war's.
Inzwischen verfügen wir über eine Ersatzkassette für Notfälle. Notfall ist: kein Klo in der Nähe, in das man legal den Inhalt des Chemieklos kippen kann.

Campingplätze spielten in diesem Urlaub für uns nur eine untergeordnete Rolle. 2x2 Nächte haben wir auf einem verbracht. Das "Problem" bei Campingplätzen ist: sie kosten Geld und die Tatsache, dass man einfach so, legal und ohne Probleme auch außerhalb von Campingplätzen übernachten kann, weckte den Dagobert Duck in uns.
Wir überlegten nämlich, dass man vielmehr Zimtschnecken und Fleischbällchen kaufen kann, wenn man fürs Schlafen nix bezahlen muss. Pfiffig, was? *gg*
Das führt allerdings dazu, dass man dann auch nicht den Luxus eines Campingplatzes hat. Dusche, Ver- und Entsorgung, vielleicht frisches Gebäck am Morgen.....)

Neben den Campingplätzen gibt es aber auch in Schweden offizielle Wohnmobilstellplätze, wo man manchmal kostenfrei, manchmal für ein paar Kronen oder auch für ein paar mehr stehen kann. Mal mit etwas Luxus, mal mit viel, mal mit ganz ohne.
Auch die haben wir gerne angefahren. In den Stellplatzführern oder -karten steht nämlich auch immer dabei was so ein Platz zu bieten hat, Steckdose, Ver- und Entsorgung, mal ein Klo, mal sogar 'ne Dusche, mal Wasser, mal nicht, dafür einen Badesteg usw.
Und so kommt es, dass man seine Route auch schonmal nach Lage der Stellplätze fährt, weil man grad Frischwasser braucht und sich die Sehenswürdigkeit am anderen Ende der Stadt ja auch morgen noch angucken kann, da gibt's dann vielleicht sogar ne Tankstelle in der Nähe und da kann man wiederum sein Abwasser loswerden und ein bisschen Diesel kaufen, damit man übermorgen die lange Strecke ins Landesinnere schafft, da gibt's nämlich vielleicht nur Kartentankstellen und die Automaten nehmen unsere Karte nicht. Und die größeren Parkplätze für die LKW haben oft ne Latrine, das wäre gut für die Kassette, dann bräuchten wir die Zweite nicht anfangen und nen See gibt's da bestimmt auch auf der Strecke, vielleicht sogar mit Sprungturm, das wär doch was....und so weiter und so weiter.


Und jetzt komme ich zum Thema in der Überschrift.
Einer der Söhne merkte nach ein paar Tagen an:
Irgendwie leben wir wie die Sims.
Ständig müssen Bedürfnisse erfüllt werden.
Das Klo ist voll, der Wassertank leer, der Kühlschrank auch, wir müssen tanken, der Abwassertank ist voll. wir haben Hunger, wir brauchen eine Schlafplatz, wir sind heute noch nicht geschwommen.
Jetzt fehlen uns nur noch diese Diamantendinger über dem Kopf. Also meins wär grad rot und von mir würden grüne Schwaden aufsteigen, sind wir bald da?

;o)




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Fabelhafter Bericht. Das muss unbedingt die breite Öffentlichkeit erfahren. Was denen sonst entgeht....nenene...
Zum guten Schluss habe ich mir Euch als Special Edition "Die Sims-Nähma-Familie on the road" (oder auch ähnlich) vorgestellt. Das hätte doch was....;-)
Von "Conni" gibt es doch auch für alle Lebenslagen Pixiebücher. Wie wäre es mal mit Pixiebüchern für Erwachsene von Erwachsenen??
Nähma fährt nach Schweden
Nähma übernachtet im Wald
Nähma macht Feuer
Nähma springt in den See
Ach, 1000 Titel hätte ich für Euch

Die liebe Nichte mit der vielen Phantasie

NähMa! hat gesagt…

Nichteeee!?
Du machst dich da ja wohl nicht über mich witzig, oder?
*streng die Augenbraue hochziehe*

Die kleine Werkstatt hat gesagt…

Mein Liebste Nähma ... ich habe kurz überlegt, ob ich nach unserem Floßabenteuer auch einmal einen Abenteuerurlaub machen möchte. NEIN! Nach Deinem Bericht. Nicht dass ich im Urlaub jeden Tag duschen müsste, aber was das Klo betrifft. Nun gut, es gibt sicher Dinge im Leben, die man nicht unbedingt selber erfahren muss :-). Ich liebe Deine Berichte und freue mich, wenn der nächste Urlaub Euch über Rheine führt. Ich schwöre, ich lege das Stromkabel raus und komme täglich mit hunderten von Litern super sauberem Wasser zu Euch! (Außerdem könnten die Jungs Gameboy-Spiele spielen - yiepiiiiihhhhh!!!)

Ganz herzlichst,
Steph

Die kleine Werkstatt hat gesagt…

... es heißt natürlich "meine liebste" ... ohä!

Die kleine Werkstatt hat gesagt…

... so komm´, ein P.S. habe ich noch: das ohä folgt dem Weine ,,, den ich nur für unsere Hochzeitsfeier probieren MUSS!
:-)

Anonym hat gesagt…

Tanteeee,
brauchst mich nicht ermahnen. Ich meine alles voll in echt, ey.
Du sollst doch Dein Licht nicht immer unter den Scheffel stellen. Ich sollte mal anonym (haha) Deine Blogseite an viele, viele Buchverlage schicken. Denk mal an all die anderen Web-Schreiberlinge, die auch anschließend Bücher herausbrachten. Und außerdem.... wieso solltest Du keine deutsche Johanna K. Rohling werden....Stell Dir Dich mal vor auf dem roten Teppich, bei der Bambi-Verleihung, bei den 1-live-Kronen...hach, herrlich die Vorstellung.
Nähma: ich bedanke mich bei allen, die mich zu solch waaaahnnsinnigen Geschichten tagtäglich inspirieren. Ganz besonders hervorheben möchte ich Günni, die vielen kleinen Kinderlein, meine Familie, ganz besonders meinen Onkel, meine Tante, meine Oma, meinen Opa.....

Sorry, muss meinem Gehirn nach einem anstrengenden Tag mal etwas Luft machen

Mafdet hat gesagt…

Da muss ich mich doch mal der Meinung deiner Nichte anschließen: Gäb's ein Buch zum Blog, ich würde es sofort kaufen.

*winkt*

Petra Peziperli hat gesagt…

Herrlicher Bericht! Da weiß ich wenigstens wie sich Töchterlein jetzt fühlt! Sie schippert mit einem Segelboot an Kroatiens Küste herum und hat mir per Email schon geschrieben, dass sie vor allem uns, ein Klo und eine Dusche vermisst!
Heul! Ich vermisse sie! Noch eine Woche warten, dann kann ich sie wieder sehen! ***gggg***!
LG Petra

Zählerchen