Galoppierender Nadelwahnsinn mit erhitzter Ironie und einem Fünkchen Sarkasmus

Sonntag, 25. August 2013

Schweden {5} Vorbereitende Maßnahmen

So, ich werde euch jetzt nicht mit einer langweiligen Abhandlung jedes einzelnen Urlaubstages in chronologischer Reihenfolge nerven. So ultraspannend ist unser Familienleben dann doch nicht. ;o)
Aber ich erzähle euch mal, wie wir uns auf so eine Tour vorbereiten und wie dann die Umsetzung ist.
(Manch einer der geneigten Leserschaft kennt ja mein beliebtes Motto "Mach bloß keine Pläne")

Also, zuerst mal steht die Idee: Nächstes Jahr fahren wir nach Schweden!

Irgendwann vor den Osterferien fängt der Gatte dann an im Internet über Schweden zu lesen, diverse Mitmenschen (er trifft täglich ne Menge Leute, so beruflich und so) wissen zu lassen, dass wir dorthin wollen um dann von ca. 80% der Leute zu hören: Au Schweden, schöööön. War ich auch schomma, is teuer und nehmt wat gegen Mücken mit. Fiese Biester da.

Meine Vorbereitung geht so: ich verdränge.
Mein Hasenherz hat Schiss. Jedes einzelne Mal vor einem Urlaub zähle ich irgendwann die Wochen und male mir in meiner, in diesem Fall extrem blühenden Phantasie, aus, was einem im Urlaub so alles zustoßen kann. Krankheit, Unfall, Raub, Tot. Das Übliche eben. Ich erwähnte ja bereits, dass ich Sicherheit mag und Gemütlichkeit und ein sandfreies Bett...
Ich leide niemals unter Fernweh.
Und ich stoße überall auf Unverständnis. Nein das stimmt nicht. Ein paar meiner Mitmenschen haben ein offenes Ohr und lächeln und nicken, während ich all meine Vor-Urlaubs-Sorgen dort ablade.

Die Kommentiernichte zum Beispiel, die gehört nicht dazu. Also zu den Leuten, die Verständnis haben.
Die kommt aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus, wenn sie sich anhören muss, was uns alles passieren könnte im Urlaub, fern der Zivilisation, in einem fremden Land.
Nein, im Gegenteil, sie würde sofort tauschen und mitreisen. Voll die Verräterin. :o)

Egal, also, irgendwann, wenn ich merke, dass sie nun unausweichlich näher kommt, die schönste Zeit des Jahres, plane auch ich.
Zuerst packe ich zwei Boxen voll mit Medikamenten. Der Apotheker meines Vertrauens freut sich, wenn ich erscheine um ihm die Hälfte seiner Regale leerzukaufen und ordert schonmal den Gabelstapler.
Während ich mich über Sicherheit im Ausland schlau lese, schweißt der Gatte seltsame Aufbauten und Halterungen, um zu testen ob wir das viel zu lange Kanu nicht vielleicht doch irgendwie auf das suboptimal geschwungene Dach des Mobils gezurrt kriegen.
Schließlich soll man ja in  Schweden phantastisch auf all den Seen paddeln können, nachdem man morgens schon vor dem Frühstück eine Runde in selbigen geschwommen ist und auf dem Rückweg durch den Wald 10 Pfund Blaubeeren gesammelt hat um diese dann mit Pfannkuchen zu verspeisen.
Das ist das Kopfkino des Gatten.

Meins sieht so aus:
Die nicht genehmigte Halterung für das Kanu fliegt uns spätestens im Elbtunnel mitsamt Kanu vom Dach. Wir werden alle verhaftet.
Falls nicht fallen mindestens zwei Personen beim Auf- oder Abbau des Kanus vom Dach und verletzen sich schwer. Falls nicht ertrinken wir alle beim Paddeln im schwedischen See.
Oder das Wohnmobil wird geklaut, während wir mitten auf dem Teich sind und wir müssen das Kanu bis nach Hause tragen.
Falls auch das nicht zutrifft, wird der Gatte beim Beeren sammeln von einem Elch angefallen und taucht nie mehr auf.
Falls er doch mit den Blaubeeren zurückkommt sind die voll mit Zecken und Maden und Spinnen oder mindestens giftig!

Kapiert?

Ok, die Kanuhalterung hat es dann doch nicht gegeben und deshalb ist auch nix passiert. Logo.

Die weitere Vorbereitung besteht darin, dass wir diverse Reiseführer kaufen und studieren, also durchblättern und bei schönen Fotos hängen bleiben.
Die wichtigen Dinge sind zu diesem Zeitpunkt meist schon erledigt. Ausweise, schwedische Kronen, Hund impfen usw.
Dann machen wir latent Pläne.
"Guck mal, das sieht nett aus, da fahren wir mal vorbei, ach und das und das und das, will ich auch gerne sehen."
"Ach, wusstest du, das sich Schweden jedes Jahr ein kleines Stück weiter aus dem Meer erhebt? Weil das Eis von der Eiszeit nicht mehr drauf liegt."
"Hey, hast du das von Nobel gelesen? Wusste ich gar nicht."
"Guck mal, Selma Lagerlöf. Die mit Nils Holgerson. Das Anwesen kann man besuchen."
"Also ich will zu Pippi Langstrumpf und so."
"Oder wollen wir doch bis zum Nordkap?"

So in etwa hört es sich an, wenn der Gatte und ich in den Reiseführern blättern.
Was die üblichen Reiseführer betrifft.

Dann gibt es da noch eine Sorte, die ist speziell für Wohnmobilurlauber gedacht. Darin befinden sich viele, viele, viele Tipps und Koordinaten zu Stellplätzen, Badeplätzen, Parkplätzen, Tankstellen, Frischwasserstellen undundund.
Dafür ist das Büchlein gut. Jedes Jahr aber rege ich mich unglaublich über die Schreibe der Autoren auf, die sehr subjektiv und allwissend daherkommt.
Zum Beispiel so: blablabla, nun kommen wir um die Kurve und sehen das Meer. Sie können jetzt nach rechts zum Strand abbiegen, wie alle anderen Doofen, Bekloppten und Idioten oder Sie machen es so wie wir. Nämlich richtig. Denn wir wissen bescheid und nur auf unsere Weise ist der Urlaub richtig. Wir biegen also links ab.
Usw.
Ich schwöre mir jedes Jahr für den nächsten Urlaub kein Buch aus dieser Reihe zu kaufen und tue es trotzdem immer wieder für das neue Ziel, denn die Koordinaten für Stellplätze haben uns schon oft geholfen. Den Text lese ich dann immer nur im Notfall oder wenn ich grade in Stimmung bin mich aufzuregen. Damit komme ich ganz gut zurecht.

Und zum running gag reicht es auch. Es heißt dann zum Beispiel während der Fahrt:
"Sohn, gib mir mal den Reiseführer nach vorne, bitte."
"Welchen, den Guten, den Dicken oder den von den Klugscheissern?"
;o)


Für die, die bis hierhin durchgehalten haben gibt's jetzt aber noch ein paar Stellplatzfotos, so als Beispiel:

Kämpinge 

Kåseberga

Öland
 Solche Plätze sind in Schweden ganz oft zu finden. Viel Wiese oder Wald, irgendein Gewässer, tolle Aussicht.
Naja, auf Öland nur in die eine Richtung, weil auf der anderen Seite irgendein Riesendingenswerk war, aber der Sonnenuntergang direkt am Meer, hat das ausgeglichen.



Tja und das letzte Bild ist auf einem ganz besonderen Stellplatz entstanden. Davon erzähle ich dann beim nächsten Mal mehr. (widewidewitt und drfei macht neune ;o))












Kommentare:

Die kleine Werkstatt hat gesagt…

Obwohl ich kein Schisshase bin, würde man mich auf so eine Tour niiiieeee mitbekommen. Oder müsste mit einer im Urlaub von einer eigentlich ganz netten Frau zur Hexe mutierten Furie leben :-). Alles zu einsam dort, keine Möglichkeit, sich "einzuleben". Denn das brauche ich, egal wo wir hinfahren. Ich muss mich einleben, wissen wo es die morgentlichen Brötchen gibt und wie der Urlaubsort "tickt". Sonst fühle ich mich absolut heimatlos und mutiere ... siehe oben :-)!

Von Nichtweltenbummlerin zur selbigen schicke ich liebste Grüße,
Steph

Frau Mahlzahn hat gesagt…

***...was einem im Urlaub so alles zustoßen kann. Krankheit, Unfall, Raub, Tot. Das Übliche eben.***

Muhahahaaaa, genauso so! Das kann ich sooo gut nachempfinden!

Deine Bilder machen Lust auf Schweden -- überhaupt würde ich da gerne mal hin. Und die Einsamkeit auf den Stellplätzen würde mir auch gefallen, ich mag es gerne ruhig und abgeschieden. (In Kroatien waren wir mal -- zum Glück nur für's verlängerte Wochenende -- auf so einem Campingplatz der das Pendant einer Bettenburg war, grauenhaft).

Freue mich schon auf die Erklärung zum letzten Bild!

So long,
Corinna

Annette hat gesagt…

Den Stellplatz kenne ich!!! Nächstes Jahr gehts da vorerst letzmalig hin ;).
Auf diesem Weg vielen Dank für deine Karte, das war eine schöne Überraschung als wir gestern wieder nach Hause kamen.

Ich würd mich übrigens sehr über ein baldiges Pläuschchen (auch ohne Stoffmarkt) freuen. :)

LG Annette

Zählerchen